K12 GALERIE | Friedrich Biedermann "relocation" | 7.11.-5.12.2009
 


Friedrich Biedermann „relocation“ 2009

Friedrich Biedermann’s Arbeiten vereinen präzise Fragestellungen nach den Bedingungen der Konstruktionen medialer Räume mit Anordnungen die eine starke physische Präsenz entwickeln. Die Installation SPACELENS etwa, besteht aus einer Serie von Ventilatoren die auf einem Rahmen ausgerichtet sind und so eine Art Windmaschine in Szene setzen. Auf diese Vorrichtung die neben ihrer Geräuschkulisse durch den Wind in den Raum eingreift, wird Videomaterial projiziert welches sich formal an ikonischen Bildern lichtdurchfluteter Innenarchitekturen aus Raumschiffen in Science Fiction Klassikern wie etwa Ridley Scott’s Alien oder Stanley Kubrick’s 2001, A Space Odyssey orientiert. Mit dieser Verbindung gelingt es Biedermann die eigentümliche von Licht bestimmte Architektur modularer Räume aus Filmen die ja ihrerseits Kapseln des Inneren in der unendlichen Weite des Alls vorstellen, einzufangen und mit einem haptisch erlebbaren Moment, der Erfahrung von Wind auf der Haut, in der subjektiven körperlichen Raumerfahrung der Betrachter_innen zu verankern.
Auch Biedermann’s jüngstes Werk, DISPLACER, verbindet exemplarisch mediale Repräsentationen von räumlichen Konstellationen mit einer klaren Realisation im phyisch erlebbaren Raum. Für DISPLACER eignet sich Friedrich Biedermann mit der Verwendung von Glasfasern ein Material an, das zunächst große Bedeutung in der analogen Übertragung von Bildern aus physisch schwer zugänglichen Orten hatte. In der Medizin etwa werden lichtleitende Glasfasern eingesetzt um Bilder aus dem Inneren des Körpers zu erhalten. Biedermann kehrt diese Funktion ganz bewusst um, indem er Glasfasern nicht dazu verwendet Bilder zu erhalten, sondern im Gegenteil, eine Apparatur geschaffen hat die ihrerseits in Räume eindringt um dort Bilder zu verteilen. Damit nimmt er eine weitere zentrale Funktion dieses Materials auf, nämlich dessen Einsatz in der Verteilung digitaler Daten. Glasfaserkabeln, zentrale Elemente gegenwärtiger globaler Datennetze, werden so zum Grundbestandteil einer Apparatur, die es dem Künstler erlaubt eine höchst komplexe räumliche Situation zu erzeugen. Die gezeigten Bilder wiederum sind Fragmente klassisch moderner Glasfassadenarchitekturen die modular angeordnet zu dynamisch veränderbaren Rastern mit wechselnden Perspektiven mutieren.
Die physisch erlebbare Realität der schwarzen Kabel, die wie Tentakel in den Raum vordringen und deren formale Positionierung in Bezug zu algorithmischen Formgebungsprozessen steht die in der Gegenwartsarchitektur eine wichtige Rolle spielen, geht auch hier eine faszinierende Wechselbeziehung mit der ephemeren Qualität der medialen Repräsentation ein. Damit setzt Biedermann an einem zentralen Punkt der westlichen Tradition an indem er die Dominanz des Sehens gegenüber anderen Sinnen in Bezug auf die Erfahrung von Raum in Frage stellt und Modelle entwickelt die es ermöglichen Blickräume zu inkorporieren. Friedrich Biedermann’s Ansatz scheint gerade deshalb so relevant weil er in seiner künstlerischen Arbeit auf Formen und Diskurse gegenwärtiger am Prozess orientierter Architektur und Skulptur verweist, gleichzeitig aber die Bildwelten und Mythologien von digitalen Technologien und Science Fiction kritisch befragt und so einen intelligenten Balanceakt zwischen materiellen und imateriellen Aspekten räumlicher Präsenz vorschlagen kann.
Axel Stockburger


„relocation 2009“
Ist die Neuverteilung, die Umsiedlung oder neue Vermessung von Raum.
In der Diaarbeit werden Texte gezeigt, die einen fiktiven Raum beschreiben. Dieser Raum ist frei erfunden, und könnte als Set für einen Film dienen.
„Die Textdias umschließen den Projektor!“
Durch das Licht werden die Texte verstärkt und werfen ihre Botschaft in den Raum.

„META-MroF 2009“
Die Bilderserie, im 16:9 Format besteht aus sieben Ansichten. Die Bilder sind verschieden zueinander kombiniert und zeigen auf den ersten Blick immer ein und dasselbe Motiv, eine gerasterte Fläche, die in den Raum verläuft. Optisch versteckt hinter dieser Maske, befinden sich Texte, die Farbe und Botschaften an den Betrachter unterbewusst weitergeben. Durch längeres betrachten der Struktur beginnt man die einzelnen Buchstaben bzw. Texte wahrzunehmen und die Einzigartigkeit der Bilder zu begreifen.

„Triangle Nr.8/ Nr.9 2009“
sind Geodreiecke, die in einem Prozess miteinander verklebt werden.
Entstehungsprozess: Am Anfang beginnend mit einem Dreieckpaar ist die Form ungewiss und endet mit der Vorstellung eine perfekt in sich vermessene/ geschlossenen Form/ Körper zu erzeugen. Das ist einerseits der Reiz mit der Ungewissheit zu arbeiten und andererseits, das perfekte Vermessen des Raums.

michael mittermayer

geboren 19. August 1961, Innsbruck
1979-1982 Ausbildung zum Siebdrucker
1993 Mitglied Design Austria, DA
1994 freischaffender Künstler
1996 Mitglied Berufsvereinigung der bildenden Künstler Vorarlbergs
Einzelausstellungen (Auswahl)
2009 K12 Galerie, Bregenz/A
2007 Galerie im Andechshof, Innsbruck/A
2006 K12 Galerie, Bregenz/A
KUB-Billboards, Kunsthaus Bregenz/A
2005 Kunstverein A4, Feldkirch/A
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2009 „125 Jahre Arlbergbahn 1884 – 2009“,
„Portrait“, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz/A
Galerie allerArt, Bludenz/A, Spullerseekraftwerk Wald am Arlberg/A
2008 „Vorlieben – 20 Jahre allerArt Bludenz“, Galerie allerArt, Bludenz/A
2007 „Art & Absinth“, K12 Galerie, Bregenz
„Kunst in die Psychiatrie“, Otto Wagner Spital, Wien
„Das Gute muß nicht immer das Böse sein“, Kunstraum Engländerbau, Vaduz/FL
2006 „Rückblick 2006“, K12 Galerie, Bregenz
„Graphikschau“, Galerie Ardizón & Editionswerkstatt, Bregenz/A
2005 „Unendliche Vielfalt – Marchesa Luisa Casati“, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz/A
„Bergheimat – der beanspruchte Grund“, Nenzing/A
„Heimat.kunde“, Palais Liechtenstein, Feldkirch/A
„Stadtkraxen“ von Marion Gasser, Galerie Lisi Hämmerle, Bregenz/A
Editionen (Auswahl)
2009 „Arlberg-Affaire“, Eine Datencollage zum 125 Jahre Jubiläum der Arlbergbahn
Digitaldruck, 50 Blätter, handgebunden, mit eingeklebten Original-Fotografien,
Auflage 1/8 – 8/8, signiert, nummeriert und benannt nach den Haltestellen entlang der Westrampe,
Hrsg.: Michael Mittermayer
2006 „oT“, Serigraphie, Hrsg.: Vorarlberger Wirtschaftskammer, Auflage 250/250
2005 „Landschaftselemente“, Mappe zu 21 Blätter, Serigraphie, Auflage 10/10,
Hrsg.: Michael Mittermayer
Werke im öffentlichen und privaten Besitz
Stipendium
1996/1997 „Pirgi“, Stipendium des Landes Vorarlberg auf der Insel Chios, Griechenland.
Publikationen
2008 „Galerie im Andechhof 2007“, Hrsg.: Kulturamt der Stadt Innsbruck, MA V
2007 „Hans Haid: Mythos Lawine, Eine Kulturgeschichte“, Studienverlag Innsbruck, Wien, Bozen
„Das Gute muß nicht immer das Böse sein“, Kunst aus Vorarlberg
Hrsg. Karlheinz Pichler, Zürich/CH, Bucher Verlag 2007
Auszeichnungen
2008 „Austern im Schnee und andere Sommergeschichten“, Bucher Verlag 2008
Gestaltung: René Dalpra/Michael Mittermayer, Die 15 schönsten Bücher Österreichs 2008

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